Gleichstellung – Equal Pay

Gleichstellung ist ein emotional sehr aufgeheiztes Thema. Der Erste Gleichstellungsbericht des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (im Weiteren: BMFSFJ) bringt Fakten. (siehe Seitenzahlen)

http://www.bmfsfj.de/RedaktionBMFSFJ/Broschuerenstelle/Pdf-Anlagen/Erster-Gleichstellungsbericht-Neue-Wege-Gleiche-Chancen,property=pdf,bereich=bmfsfj,sprache=de,rwb=true.pdf

Gleiches Geld, gleiche Chancen, gleiche Entwicklungsmöglichkeiten

Gleichstellung bedeutet Gleichwertigkeit. Erreicht, wenn Arbeitgeber beim Einstellungsgespräch nicht mehr wissen können, welcher Bewerber in der Kindererziehungsphase ausfallen wird. Eine gesellschaftliche positive Wertung für Karrierefrau (statt Rabenmutter) und Hausmann hat Vorbildcharakter. Erst wenn Männer bereitwillig Kinder erziehen oder Eltern pflegen, werden Frauen gleiche Entgelt- und Karrierechancen auf dem Arbeitsmarkt bekommen.

 Knotenpunkte für Ungleichheiten sind Berufswahl, Berufseinstieg, Berufstätigkeit und Rente.

Frühe Entscheidungen können weitreichende Folgen haben. Junge Frauen haben mittlerweile oft bessere Schul-Abschlüsse als junge Männer.  Nach Gleichstellung in Schule/Ausbildung/Studium folgt dann allerdings oft wieder Ungleichheit.

Frauen und Kinder

Alten Strukturen machen es jungen Generationen schwer. Oft werden traditionelle Geschlechter rollen von den Betroffenen gar nicht gewollt. Wahlmöglichkeiten für Eltern müssen geschaffen werden:

Öffnungszeiten der KiTas, Schulen und Ärzten, öffentlicher Nahverkehr (Mobilität) und Gleitzeit sind Eckpunkte für Gleichstellung.

Steuerliche Vergünstigungen für Einzelpersonen oder Lebensgemeinschaften sind an die Versorgung von Kindern und schwachen Menschen zu binden.  So fordern die Piraten in ihrem  Grundsatzprogramm die Abschaffung des Ehegattensplittings und nicht nur sie.

https://wiki.piratenpartei.de/Parteiprogramm#Geschlechter-_und_Familienpolitik

Berufseinsteigerinnen erwartet oft schon ein erheblich geringeres Grundgehalt, nicht nur eine Frage des Selbstbewusstseins und des Verhandlungsgeschicks. Frauen werden oft von vorne herein im Karriereplan nicht für Führungspositionen vorgesehen. Hier besteht ein kollektives Vertrauensdefizit, mit dem junge Frauen belegt werden. Sie werden vom Arbeitgeber in eine Art „Sippenhaft“ genommen. Diese  alten Strukturen machen es jungen Generationen so oft schwer,  gleiche Augenhöhe in Kompetenz, Fähigkeiten und Perspektive in die Gesellschaft einbringen zu können. (S. 128)

Der Anteil der Frauen, die in den letzten fünf Jahren mehr Gehalt und eine bessere Position nachgefragt haben, ist mit 59,1 Prozent fast genauso hoch wie jener der Männer (61,7 Prozent). Dennoch sind die Männer erfolgreicher. Das hängt damit zusammen, dass Frauen seltener gefragt werden, die Zeitabstände zwischen Gehaltserhöhung und Beförderung bei Frauen länger sind und sie seltener gleichzeitig eine Gehaltserhöhung und eine Beförderung erreichen. Und, bei Gehaltsverhandlungen zeigen Frauen mit Familie nicht die gleiche Härte wie ihre Partner. (S. 140)

Berufseinstseigerinnen sollten sich, bevor sie in Gehaltsverhandlungen gehen, bei Vergleichsbetrieben, Gewerkschaften und dem Personalbetriebsrat informieren.

Das Modell der zu Hause wartenden Ehefrau, während der Mann viel arbeitet, ist überholt. Bedeutet Kinderkriegen für Frauen erhebliche Nachteile im Berufsleben („Narbeneffekt“), wird dadurch Familiengründung verhindert. Zudem ist  durch die längeren Ausbildungszeiten das Zeitfenster eng. Frauen wollen dann einfach nicht mehr. Gerade die Bildungselite gräbt sich selbst das Wasser ab, sorgt sie nicht für familiengerechte Hochschulen und Anerkennung  der Kompetenz der Frauen im Beruf. Vor allem unter hochqualifizierten Frauen ist der Anteil derer, die erst sehr spät ein Kind bekommen oder kinderlos bleiben, angestiegen. Nach Berechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) werden mehr als ein Drittel der westdeutschen Universitätsabsolventinnen kinderlos bleiben.  (S. 126)

Die Ehe wie ein Rechtsgeschäft zu betrachten und einen Ehevertrag auszuhandeln, würde vorbeugen. Die familiäre Situation ist immer wieder neu auszuhandeln. Der Punkt Karriereknick durch Kindererziehungszeiten wäre hier zu thematisieren, ebenso eine Aufteilung der Elternzeit, Finanzplanung und Zeitplanung. Hier müssen Möglichkeiten geschaffen werden.

Bei einer Trennung versuchen viele Mütter, den Einkommensverlust durch verstärkte eigene Erwerbstätigkeit bald zu auszugleichen. Trotzdem verdoppelt sich ihre Armutsrisikoquote innerhalb des ersten Jahres nach der Trennung. (.S. 124)

Besonders häufig waren in den letzten Jahren Alleinerziehende auf die Grundsicherung nach dem SGB II angewiesen. Ende 2008 waren es 41,4 Prozent der Alleinerziehenden, unter den Alleinerziehenden mit drei und mehr Kindern sogar rund 72 Prozent. (S. 149)

Erwerbsfähige Hilfebedürftige mit Migrationshintergrund sind zu etwa 55 Prozent weiblich.

Zwei von drei der Mütter in erwerbstätigem Alter sind berufstätig, aber häufig in geringfügiger Beschäftigung. Migrantenkinder, die oft trotz hoher Begabung lediglich einen Hauptschulabschluss vorweisen können. Eine Gruppe, die früh gefördert werden muss. (S. 149f)

Immer mehr Kinder fallen durch unser Bildungssystem. Es gibt eine immer größere Zahl von armen Kindern, wo beide Eltern keinen Berufsabschluss haben. Daraus erwächst sich ein Sockel von Mitgliedern unserer Gesellschaft, die stark Ghetto-gefährdet sind.

Vergleichszahlen

2009 sind in Deutschland 66,2 Prozent Frauen erwerbstätig. Das ist der 6. Rang im Vergleich der EU-Länder und liegt deutlich – um mehr als sieben Prozentpunkte – über dem Durchschnitt der EU 27-Länder (Eurostat-Datenbank).“ (S. 111)

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (2010) lag der prozentuale Unterschied

Im durchschnittlichen Bruttostundenverdienst von Männern und Frauen 2008 insgesamt bei 23,2 Prozent und damit deutlich über dem Durchschnitt der Europäischen Union (18 Prozent).“ (S. 137 f)

Insgesamt wurden 18 Prozent des Lohnunterschiedes zwischen Männern und Frauen auf die unterschiedlich häufigen und langen Unterbrechungen für Elternzeit zurückgeführt. Auch Frauen,  die nur ein Jahr wegen Kindererziehung unterbrochen hatten, erreichten später nur noch 95 Prozent des Lohnniveaus einer vergleichbaren, durchgängig erwerbstätigen Frau. (S. 124)

Mindestlohn und Aufwertung von typischen Frauenberufen würden helfen (Branchen in Beziehung setzen). Die häufige Unterbewertung von Frauentätigkeiten resultiert aus  Vorurteilen und geschlechterbezogenen Stereotypen hinsichtlich typischer Frauenberufe (zum Beispiel in sozialen und Dienstleistungs-Segmenten) (S. 144

Frauen in Führungspositionen

Auch in typischen Frauenberufen besetzen Männer oft die Führungsrollen (Frauenberufe in Männerregie). Die Ansprüche  der Wirtschaft an Flexibilität  (zeitliche und räumliche Verfügbarkeit) aus bedeuten häufig, dass Führungskräfte sich nicht durch häusliche Pflichten in ihrer Arbeit behindern lassen können.  Parallele lassen sich  beide Karrieren dann fast unmöglich verfolgen, wenn Kinder (oder andere hilfebedürftige Personen) zu versorgen sind. Wenn Gleichheit nur durch eine „Vermännlichung“ erreicht werden kann, widerspricht das  den Wünschen der meisten Frauen und Männer und erschwert auch die Verwirklichung anderer Ziele, z.B. Wünsche nach Kindern, sozialer Betätigung etc. (S. 124)

Hier müssen mehr Teilzeitmodelle für Führungskräfte möglich sein.

Frauen sind so in den Spitzenpositionen der Wirtschaft nach wie vor deutlich unterrepräsentiert. Je höher die Funktion in einem Unternehmen ist, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass diese von einer Frau ausgeübt wird (Effekt der „gläsernen Decke“). Entsprechend zeigt sich bei der Besetzung der Aufsichtsräte, dass der Frauenanteil in den Top-200-Unternehmen nur knapp 10 Prozent beträgt. Und das größtenteils nur, weil in einigen Branchen Frauen von der Arbeitnehmer- und Arbeitnehmerinnenvertretung in die Aufsichtsräte entsandt werden müssen. (S. 134)

Schwierig ist eine Quotenregelung im privatwirtschaftlichen Bereich. Quoten in Aufsichtsräten und Führungspositionen sind zu diskutieren.

Die Öffentlichen Haushalte sollten mit gutem Beispiel vorangehen und Öffentliche Auftragsvergabe als Instrument von Gleichstellungspolitik benutzen.

Frauen im Niedriglohnsektor

Neben ungewollter Teilzeitarbeit oder Mini-Jobs finden sich Frauen oft wieder in schlecht bezahlten Tätigkeiten mit geringen Aufstiegschancen, dem Niedriglohnsektor wieder. (S. 46)

Der Anteil der niedrig bezahlten Frauen lag 2007 bei 29,3 Prozent gegenüber 13,8 Prozent bei den Männern. (S. 141)

Nur ein Teil dieser Geschlechterdifferenz bei den Löhnen lässt sich durch Unterschiedliche Ausstattungsmerkmale von Frauen und Männern erklären. Nach wie vor umfasst die Lohnlücke auch einen schwer zu quantifizierenden Anteil an Diskriminierung. (S. 157)

Teilzeitbeschäftigte erhalten in Deutschland einen um durchschnittlich 4,17 Euro niedrigeren Stundenlohn als Vollzeitbeschäftigte (2008), eine „Lohnstrafen für Teilzeitarbeit“. Die Erweiterung der Minijobs im Zuge der Neuregelung von Hartz II hat die Situation noch verschlechtert. Während sie in den neuen Bundesländern eine größere Zahl von Frauen (relativ unabhängig von ihren Partnerbeziehungen) in die Nähe der Armutsgrenze bringt, ist sie für westdeutsche Frauen mit einer Verstärkung der Abhängigkeitsbeziehungen von ihren Partnern verbunden“ ( S. 142 f

Gleichstellung als gesellschaftliches Leitbild

Die Finanzen unseres Sozial- und Steuersysteme stabilisieren sich mit  Frauen als vollwertige Beitragszahler, statt nur mit abgeleiteten Ansprüchen. Die Kosten der Nicht-Gleichstellung übersteigen die der Gleichstellung bei weitem. Gleichstellung entspricht den veränderten Bedürfnissen der meisten Frauen und Männer und ist auch ein wesentlicher Innovationsfaktor. (S. 48)

Gerade soziale Berufe werden stark von Frauen ausgeübt. Hier darf nicht ausgenutzt werden, dass Zufriedenheit im Beruf auch mit einer geringen Bezahlung  erreicht werden kann.

Die starke Zunahme von psychischen Krankheiten kommt nicht von ungefähr.

Das Humanvermögen unserer Gesellschaft ist unser größter Schatz. Das geistige Kapital von Männern und Frauen kann nur sein volles synergetisches Potential entfalten, wenn Frauen von Männern eine angemessene Anerkennung erfahren.

Die Vielfalt zeigt sich durch den Zugang. Die politische Möglichkeit für eine gleichberechtigte Gesellschaft mit mehr Gerechtigkeit wird geschaffen durch Menschen, die das wollen. Die Hälfte der Menschen sind Frauen. Männer orientieren sich an Frauen. Sie wurden von Frauen erzogen und haben oft Frauen an ihrer Seite.

Auch wenn zurzeit noch viele Bereiche stark hierarchisiert sind, kann Arbeitsteilung und Wertschätzung eine Umwälzung herbeiführen.

Die Zukunft gehört beiden Geschlechtern. 

Auf gleicher Augenhöhe.

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